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Worauf wir u.a. im Seminar Zellaktivierung immer hinweisen: Werbetricks und Etikettenschwindel. Glauben Sie nicht, was auf der Packung steht.
Denn die Lebensmittelindustrie kann eines ganz besonders gut: Verbraucher täuschen.
Und die Täuschung hat System.
Die Lebensmittelindustrie verkauft Zuckerbomben als gesundes Kinderfrühstück und Tütensuppen als Naturprodukte. Warum? Weil Verbraucher sich bisher nicht genug dagegen gewehrt haben.
Die Lebensmittelindustrie behauptet, sie will Verantwortung übernehmen und für Verbraucher da sein. Nehmen Sie sie beim Wort und nutzen Sie Ihre Macht als Verbraucher!
Fordern Sie bei Lebensmittel ehrliche Etiketten und ehrliche Qualität! Denn das macht Druck auf die Industrie und die Politik. Verbraucher können nur dann wirklich entscheiden, was sie essen, wenn überall drauf steht, was wirklich drin ist.
Mit Werbetricks einfach abgespeist
Verpackungen lügen wie gedruckt, Fotos halten nicht, was sie versprechen, wettern die Konsumentenschützer.
Autoren, Kurier:
von simone hoepke
sebastian Paulick
Ob Osterhase, Joghurt oder Saft: Viele Etiketten halten nicht, was sie versprechen, klagen Konsumentenschützer. Und Osterhasen machen dabei keine Ausnahme. So beteuert der Riegelein-Hase in großen Lettern aus „Diät-Schokolade“ zu sein. Keine Lüge, das Produkt ist tatsächlich für Diabetiker geeignet. Allerdings enthält der Hase pro 100 Gramm 556 Kalorien – mehr als ein normaler Milka-Vollmilchhase (530 kcal), so der Verein für Konsumenteninformation (VKI) auf seiner Homepage ( www.konsument.at) .
Der VKI präsentiert wöchentlich ein Produkt, bei dem die Hersteller die Wahrheit ein bisschen verbiegen, ohne dabei gegen geltendes Recht zu verstoßen. „Beim Anpreisen ihrer Produkte bewegen sich Hersteller oft in einer Grauzone“, sagt VKI-Lebensmittelexpertin Birgit Beck. „Genau diese Fälle zeigen wir auf.“ Ein Schweinsgulasch etwa trägt den Hinweis „Ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern“ – obwohl es einen enthält. Der Aufdruck ist trotzdem korrekt: Das schmackhafte Proteinhydrolysat wird nicht extra zugesetzt, es entsteht während der Produktion. Genaues Lesen reicht da nicht aus, es will auch jedes Wort auf die Goldwaage gelegt sein.
Tricks
Mit Inhaltsstoffen wird gern getrickst. „Ohne Kristallzuckerzusatz“ deutet mit hoher Sicherheit darauf hin, dass Zucker in anderer Form enthalten ist. „Hergestellt in Österreich“ lässt vermuten, dass die Rohstoffe weit gereist sind – wie chinesische Kürbiskerne, die, „gepresst in steirischen Ölmühlen“, ein „Echtes steirisches Kürbiskernöl“ ergeben.
Gern versprechen Fotos mehr, als der Inhalt hält. Etwa bei der Fruchtschnitte, die laut Foto voll gefüllt mit Ribisel, Brombeeren und Erdbeeren zu sein scheint. In Wahrheit enthält der Riegel gerade einmal 1,2 Gramm Beerensaftkonzentrat. Das entspricht einer ausgequetschten halben Erdbeere.
„Wir haben inzwischen sackerlweise derartiges Material, das uns Konsumenten zuschicken“, sagt Beck. Die Firmen würden gemischt reagieren: „Manche verstehen das Problem gar nicht. Andere sehen die Schwierigkeiten, verweisen aber darauf, im Recht zu sein. Und natürlich gibt es auch solche, die Produkte verändern.“
Für Verärgerung sorgen die Werbesprüche oft auch bei den Konkurrenten. So hat Konfitüreproduzent Darbo derzeit eine Klage von Zentis am Hals. Der deutsche Mitbewerber will durchsetzen, dass Darbo den Slogan „in Darbo naturrein kommt nur Natur rein“ künftig nicht mehr verwenden darf. Zentis wirft Darbo Grenzwertüberschreitungen von Pflanzenschutzmitteln vor. Vorstand Martin Darbo sieht die Klage gelassen: „Wir halten uns streng an die Bestimmungen des österreichischen Lebensmittelcodex. Und demnach gilt eine Konfitüre als naturrein, wenn sie ausschließlich aus Früchten, Gelierzucker und Zitronensaftkonzentrat hergestellt wird.“
Quelle: © 03.04.2010 KURIER
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Goldener Windbeutel
Die „Auszeichnung“ für die „dreisteste Werbelüge“
In Deutschland verleihen die Konsumentenschützer von Foodwatch mit dem „Goldenen Windbeutel“ einen Preis für die dreisteste Werbelüge. Ein heißer Anwärter für den zweifelhaften Preis ist heuer ein Saft, „Der Gelbe Zitrone Physalis“ des österreichischen Produzenten Pfanner. „In der Packung sind nicht einmal Spuren der Physalis, obwohl die Frucht groß auf der Packung prangt“, wettert Anne Markwardt von der Foodwatch-Plattform www.abgespeist.de (Etiketten lügen wie gedruckt!!!), die den Preis verleiht. Das wird von Pfanner gar nicht bestritten. „Derzeit ist die Physalis nicht in Form von Saft, sondern in Form von Aromen enthalten. Wir sind aber dabei zu klären, ob es genügend Saft am Markt gibt, um die Rezeptur anzupassen“, beschwichtigt Marie-Luise Dietrich, Sprecherin des Fruchtsaftherstellers.
Dass in einem Saft „natürliche Aromen“ statt Früchten enthalten sind, ist laut Gesetz nicht verboten und weit verbreitet. Und wie entstehen natürliche Aromen? „Beispielsweise wird ein Hefepilz auf Rapsöl gesetzt und dabei kommt eine chemische Verbindung heraus, die nach Apfel schmeckt“, erklärt Markwardt. So komme eine Apfel&Birne-Limonade von Carlsberg (ebenfalls nominiert) ganz ohne Äpfel und Birnen aus. Das Bio beziehe sich bei näherer Betrachtung auf Zucker und Gerstenmalzextrakt und mache nur 5,5 Prozent des Inhalts aus. Die EU-Bio-Verordnung erlaubt natürliche Aromen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs. Dabei kann es sich zum Beispiel um Holzabfälle der Papierindustrie handeln, klärt Foodwatch auf.
Auch Sugos haben ihre kleinen Geheimnisse. So stecken im Pesto oft nicht Olivenöl und Pinienkerne, sondern Sonnenblumenöl und Cashewnüsse. Illegal? „Nein“, so Markwardt. „Ein bis zwei Prozent Pinienkerne bzw. Olivenöl dazuzumischen reicht aus, um damit werben zu können.“
Werbeschmähs ziehen sich durch alle Produkte. So enthält der Monte Drink von Zott laut Foodwatch mehr Zucker als Cola und ist damit nicht gerade „eine gesunde Zwischenmahlzeit“.
2009 hat Actimel den wenig schmeichelhaften Windbeutel „gewonnen“. In den Folgewochen ist das Markenimage laut Foodwatch um 40 Prozent eingebrochen. Sprüche wie „Stärkt die Abwehrkräfte“ kann sich die Industrie künftig übrigens nicht mehr so leicht aufdrucken. Im Rahmen der Health-Claimes-Verordnung müssen sie in Brüssel abgesegnet werden. Derzeit stapeln sich bei der EU 4000 solcher Anträge.
Quelle: © 03.04.2010 KURIER
Tipp: Reinschauen bei:
1. http://www.abgespeist.de abgespeist – die foodwatch Kampagne gegen Werbelügen und Etikettenschwindel
2. http://www.konsument.at
Den Originalartikel der Tageszeitung Kurier lesen,
Link: Lebensmittel-der_Etikettenschwindel.png